Laut Lexikon ist ein Fetisch zunächst einmal ein heiliger Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden. Das Wort stammt also eigentlich – wer hätte das gedacht – aus dem religiösen Kontext. Im schwulen Alltag liegen Fetisch und Sex nah beieinander. In diesem Zusammenhang können beispielsweise Körperteile ein Fetisch sein (Schwänze, Ärsche, Füße oder vielleicht Bärte), oft aber auch Kleidungsstücke (Leder oder Gummi, Unterwäsche oder etwa Windeln).
Der sogenannte Fetischismus wird in der Psychoanalyse seit Sigmund Freud als eine abweichende Form von Sexualität gesehen. Das Objekt, also der Fetisch, sei demnach nicht in der Lage, der normalen Sexualität zu dienen.
ABER
So etwas wie eine „normale Sexualität“ gibt es nicht. Die Varianten und Vorlieben beim Sex sind so vielfältig wie die Menschen, die daran beteiligt sind. Darüber hinaus bedeutet „Fetisch“ für schwule Männer und MSM mehr als nur Sex: Wie beim Puppy-Play (Rollenspiel, bei dem Teilnehmende die Rolle von Hunden übernehmen) geht es oft um das spielerische Ausprobieren von (Hunde-)Rollen unter Gleichgesinnten. Und in den frühen Jahren der Aids-Pandemie spielten etwa die Ledervereine eine wichtige Rolle beim Aufbau der Selbsthilfe.
DAHER
Ob Leder oder Seidenstrumpf, ob Bart oder Hundemaske – erlaubt ist, was allen Beteiligten gefällt. Und jede Fetischgruppe fängt mit zwei oder drei Gleichgesinnten an.